Fallbeispiele aus Mecklenburg-Vorpommern

Fallbeispiele aus Mecklenburg-Vorpommern






Rachel Spicker

Fallbeispiele von Homo- und Trans*feindlichkeit

Überfall auf schwul-lesbischen Treffpunkt
Der mehrfach vorbestrafte Neonazi Maik Spiegelmacher überfällt 1995 mit mehreren Neonazis den schwul-lesbischen Treffpunkt »Rosa Greif« in Greifswald und bedroht die Gäste unter anderem mit den Worten: »Euthanasie« sei »die beste Lösung für Euch.« Ein Jahr später verurteilt das Amtsgericht Greifswald ihn wegen Volksverhetzung zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Quelle: AG Greifswald 15.11.1996 (Likedeeler 09/2001, AIB 01/2003)

Jugendlicher begeht Selbstmord nach Mobbing und Gewalt an der Schule
Ein 13-jähriger Jugendlicher begeht im Mai 2001 im Landkreis Parchim Selbstmord. In seinem Abschiedsbrief begründet er seinen Selbstmord damit, mehrfach und über längere Zeit von rechtsextremen Jugendlichen an seiner Schule gemobbt und verprügelt worden zu sein, weil sie ihn als »anders« wahrnahmen. In der betreffenden Region wohnen und organisieren sich viele Rechtsextreme. Die Staatsanwaltschaft Schwerin betont ungeachtet der Angaben des Betroffenen, dass es sich bei dem Selbstmord um Streitereien zwischen Jugendlichen handelt und es keine Anhaltspunkte dafür gebe, dass der Junge von Rechtsextremen schikaniert, bedroht und unter Druck gesetzt wurde.

Quellen: Gerlach T (2001) Christians Abschied. Zugegriffen: 14.8.2016 LOBBI (Landesweite Opferberatung Beistand und Information für Betroffene rechter Gewalt in MV) (2001) Dokumentation rechter Übergriffe in MV, 10.5.2001 Parchim. Zugegriffen: 14.8.2016

Anschlag auf Wohnhaus eines gleichgeschlechtlich l(i)ebenden Paares
Im Sommer 2010 attackieren Unbekannte im Landkreis Parchim das Wohnhaus eines gleichgeschlechtlich l(i)ebenden Paares mit Farbe und Buttersäure. Einer der Betroffenen muss sich infolge des Anschlags in ärztliche Behandlung begeben. Fenster und Fassade des Hauses sind beschädigt. Das Paar wird des Öfteren homofeindlich angefeindet und beleidigt.

Quellen: LOBBI (2010) Keine Homophobe Gewalt in M-V? Zugegriffen: 14.8.2016 LOBBI (2010) Dokumentation rechter Übergriffe in MV, 08.6.2010 Parchim. Zugegriffen: 14.8.2016

Homofeindliche Schmierereien vor der Universität Greifswald
Im November 2010 beschmieren Unbekannte den Bürgersteig am Audimax der Universität Greifswald mit homofeindlichen Parolen. Anlass für die Zeilen »Homosexuell = Volkstod« und »Gender Mainstream ist krank« ist offenbar eine Aktionswoche gegen Sexismus und Homophobie, die im Hörsaalgebäude der Universität stattfindet. Das Kürzel ANG weist auf »Autonome Nationalisten Greifswald« als Urheber_innen hin. Der Verein lesbischer & schwuler Polizeibediensteter (VelsPol) in MV kritisiert die Polizei, die zunächst keine Anzeige eines AStA-Mitglieds entgegennahm und erst nach Strafanzeige eines Universitätsmitarbeiters vor Ort erschien und Spuren sicherte. Die Beamt_innen ermitteln lediglich wegen Sachbeschädigung, jedoch nicht aufgrund eines politischen Tatmotivs.

Quelle: Queer.de (2010) Schwulenfeindliche Schmiererei in Greifswald. Zugegriffen: 14.8.2016.

Farbattacke auf Jugendzentrum in Greifswald
Im August 2011 attackieren Unbekannte das Jugendzentrum Klex in Greifswald mit Farbe. Die Täter_innen werfen mit weißer Farbe gefüllte Einmachgläser gegen das Haus. Dabei beschmieren sie auch die Fahne der schwul-lesbischen Initiative »Queerkompass«, deren Mitglieder sich regelmäßig im Jugendzentrum treffen.

Quelle: Ostseezeitung-Greifswald vom 19.8.2011.

Binz lehnt Infostand zum Internationalen Tag gegen Homo- und Trans*feindlichkeit ab
Im Frühjahr 2012 lehnt die Stadt Binz den Antrag für einen Infostand des Stralsunder Regenbogen-Vereins für Schwule und Lesben ab. Der Verein hat beantragt, am 17. Mai anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo- und Trans*feindlichkeit am Vorplatz der Seebrücke über die Vereinstätigkeit, das Thema gleichgeschlechtlicher Lebensweisen und deren Diskriminierung zu informieren. In ihrer Begründung argumentiert die Gemeinde, dass eine Festlegung des Betriebsausschusses das Zulassen von Infoständen an sensiblen Bereichen untersagt. Ein Gemeinderatsbeschluss dazu existiert jedoch nicht. Zusätzlich argumentiert die Gemeinde, dass das Datum der geplanten Veranstaltung ein Problem sei. Der Termin fällt auf Christi Himmelfahrt. Aus Angst vor betrunkenen homo- und trans*feindlichen Gegner_innen entscheiden die Verantwortlichen sich dafür, die Veranstaltung abzusagen. Damit gerät aus dem Blick, dass es von Seiten der Antragstellenden eine inhaltliche Begründung für den Inhalt und Ort des geplanten Infostandes gibt, und dass es dementsprechend Aufgabe der Behörden wäre, ihre Durchführung – notfalls auch unter polizeilichem Schutz – zu ermöglichen. Die Gemeinde schlägt zwar alternative Orte für den Infostand vor, diese liegen jedoch weniger zentral und weit entfernt von der Regenbogenfahne, die nahe der Seebrücke geflaggt ist. Applaus bekommt diese Entscheidung auch von Rechtsextremen, die dieses Ergebnis für ihre Propaganda instrumentalisieren. Letztendlich hat ein Gastronom an der Strandpromenade sein Gelände für einen Infostand zur Verfügung gestellt und so eine zentrale Kundgebung ermöglicht.

Quellen: Reißenweber U (2012) Binz schiebt Homosexuelle ab. Zugegriffen: 14.8.2016
Weidemann C (2012) Binz will nun schwul-lesbischen Infostand an Ortsrand verbannen. Zugegriffen: 14.8.2016

Polizei nimmt homofeindliche Bedrohung zunächst nicht ernst
Im Januar 2014 wird ein Mann in Wismar von mehreren Personen homofeindlich beleidigt und bedroht. Sie schubsen den Betroffenen mehrmals hin und her, bevor er um Hilfe rufen und sich von den Angreifenden losreißen und befreien kann. Die Polizei nimmt zunächst den Betroffenen und seine Schilderung des Übergriffs nicht ernst und weigert sich, die Anzeige aufzunehmen.

Quelle: LOBBI (2014) Dokumentation rechter Übergriffe in MV, 6.1.2014. Zugegriffen: 14.8.2016

Brutaler Übergriff auf Partygäste
Im März 2014 wird eine Gruppe junger Erwachsener in Greifswald von drei Personen, die mit einem Schlagring bewaffnet sind, angegriffen. Die Gruppe ist an einem frühen Sonntagmorgen auf dem Nachhauseweg von einer Kostümparty, als sie angegriffen werden. Die Täter_innen beleidigen die Betroffenen mit homofeindlichen Äußerungen und verletzen auch die herbeigeeilten Freund_innen der Betroffenen teils schwer.

Quelle: LOBBI (2014) Dokumentation rechter Übergriffe in MV, 2.3.2014 Greifswald. Zugegriffen: 14.8.2016

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