Juni 2001

Im Frühling 2001 machen sich rund 1 800 Lesben auf nach Rostock, um gemein­sam zu diskutieren, Ideen zu entwickeln, Politik zu machen und zu feiern. Vom bis 4. Juni findet wieder das alljährliche Lesbenfrühlingstreffen (LFT) statt, 2001 zum ersten Mal in Ostdeutschland.
Seit 1972 bietet das ‚Großevent‘ in wechselnden westdeutschen Städten Raum für lesbische Vernetzung und Verständigung. Die Treffen sind auch Aus­tragungsort für Konflikte: Seit den 1980ern werden Ausgrenzungen jüdischer, migrantischer und Schwarzer Lesben, von Lesben mit Behinderung, später auch von trans* Personen diskutiert; bisweilen kommt auch Klassismus zur Sprache.
Das Motto des Rostocker Lesbenfrühlingstreffens rückt das Verhältnis von ost- und westdeutscher Lesbenbewegung in den Blick: Ost-West (k)ein Thema unter Lesben. Die Rostockerinnen und die angereisten Lesben treffen sich in der Borwinschule und in der Werner-Lindemann-Schule, in der Rostocker Eishalle und in der Partylocation M.A.U. Das Programm umfasst über hundert Work­shops, Lesungen und Filme. Themen sind unter anderem: die Lesbenbewegung der DDR und die Wege ihrer Akteurinnen in die Bundesrepublik; Lebensmodelle im Alter; Alltag von Lesben mit körperlichen Beeinträchtigungen. Abends wird getanzt und gefeiert, als Bands sind Die Frittösen, 4Love Joy, Low-End Models und Bella Donna 9 CH eingeladen. Kritik aus der lesbischen Community gibt es an einer mangelnden Auseinandersetzung mit Rassismus und daran, wie im Vor­feld mit dem Risiko von Übergriffen durch Neonazis – vor allem für Migrantinnen und Lesbians of Color – umgegangen wurde.
Im Juni 2011 kommen erneut mehrere Hundert Lesben in Rostock zusammen: Das 37. LFT findet wieder in Mecklenburg-Vorpommern statt.