1980er Jahre

Im Mai 1989 wird in Schwerin der schwul-lesbische Klub der Werktätigen für homosexuelle Bürger – Klub Einblick gegründet. Auch in Rostock engagieren sich Homosexuelle für die Gründung eines solchen Treffpunktes. Sie stellen eine – in der Regel schwul oder schwul dominierte – Alternative zu den kirch­lichen Arbeitskreisen dar; daneben gibt es private und unabhängige Gruppen.
Für die Schaffung staatlich gebilligter Treffpunkte für Lesben und Schwule ist allerdings ein langer Atem vonnöten – und vermutlich eine gehörige Portion Frustrationstoleranz.
Der in Rostock lebende K.-D. B. beklagt 1987 in mehreren Briefen, die er an den Rat des Bezirks Rostock richtet, das Problem der Diskriminierung Homo­sexueller und den Mangel an Treffpunkten. Die „Hauptqualen“ Homosexueller, so K.-D. B., entstünden aus Einsamkeit.

Er fordert die „Schaffung von Kommu­nikationsmöglichkeiten“ für Homosexuelle. Seine Mühen – zwei offizielle Tref­fen und mehrere Briefe – bleiben zunächst erfolglos. Die zuständige städtische Abteilung vermeldet, dass die DDR über vielfältige Angebote verfüge, die den „Freizeitinteressen aller Bürger offen stehen“; für Fälle von „Beleidigungen bzw. Drohungen“ sei das „sozialistische Recht“ zu nutzen. Kurzum: Die Schaffung eines Treffpunktes für Homosexuelle wird als unnötig abgelehnt. Neben K.-D. B. wenden sich weitere Homosexuelle an die Stadt und bekräftigen die Notwendigkeit einer staatlich geförderten Infrastruktur.
Anfang 1988 tut sich doch noch etwas in der Abteilung Kultur der Stadt. Beschlossen wird die „Integration Homosexueller in das laufende Kulturangebot“: Im Jugendklub in der Blücherstraße sollen monatliche Abendveranstaltungen Homosexuellen einen Raum für den „Meinungsaustausch im kleinen Kreis“ bieten.