23.05.1890–17.08.1967


Silhouette: © Staatsbibliothek zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Die Freundin, 4/1928)

Lotte (Charlotte) Hahm, am 23. Mai 1890 in Dresden geboren, gehört zu den wichtigsten Aktivist_innen der homosexuellen und trans* Organisierung und Subkultur. In Berlin steht sie* zwischen 1926 und 1932 mehreren Initiativen lesbischer Frauen vor und prägt legendäre Bars als Treffpunkte für Homosexu­elle und Trans. Sie leitet den 400 Mitglieder zählenden Damenklub Violetta, die Vereinigung Monbijou – zusammen mit Kati (Käthe) Reinhard –, die Damen­gruppe des Bundes für Menschenrecht (BfM) und ruft die transvestitische Vereinigung D’Eon mit ins Leben. Außerdem ist sie* Gründerin* und/oder Wirtin* der Monokel Diele und der Manuela Bar. Hahm selbst ist auf Fotografien stets in Kleidung zu sehen, die Männern vorbehalten ist; wahrscheinlich bewahrt sie* ein polizeilich ausgestellter ‚Transvestitenschein‘ vor Anzeigen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.
Für die Jahre des Nationalsozialismus konnten bislang keinerlei Unterlagen über das Leben Lotte Hahms gefunden werden. Möglicherweise wird sie* 1933 vom Vater ihrer* Freundin der Verführung Minderjähriger angeklagt und kommt ins Gefängnis. Eventuell wird sie* 1935 in das Frauenkonzentrationslager nach Moringen verlegt; der Haftgrund ist unbekannt; und im März 1938 wieder entlas­sen. Erneut macht sich Hahm – wie manche anderen Subkultur-Aktiven – daran, (heimliche) Treffpunkte zu schaffen: In einer Lokalität am Alexanderplatz richtet sie* Frauenabende aus. Auch eine Pension auf Hiddensee, die Hahm 1935 sehr wahrscheinlich gepachtet hat, dient womöglich als Treffpunkt.
Nach Kriegsende leitet Lotte Hahm einen Frauenklub, 1958 versucht sie* mit einigen anderen, den Bund für Menschenrecht neu zu gründen. Hahm stirbt am 17. August 1967 in Berlin-Wannsee.