Coming Out

Spielfilm, Heiner Carow, 1989
17 Minuten

Am 9. November 1989 wird der Spielfilm Coming Out im Berliner Kino International uraufgeführt. Wegen des großen Andrangs und mit stürmischen Ovationen feiert der erste und einzige Spielfilm der Deutschen Film-Aktiengesellschaft (DEFA) über Homosexualität gleich zweimal Premiere. Im Bezirk Rostock wird der Film am 25. No­vember 1989 erstmalig gezeigt, und zwar im Capitol in der Rostocker Breiten Straße.
Dass es überhaupt dazu kam, ist dem Durchhaltevermögen von Heiner Carow und Wolfram Witt zu verdanken. Viele Jahre kämpften sie gegen die ablehnende Haltung seitens der DEFA und verfolgten ihr Filmprojekt unbeirrt weiter.
Der Film erzählt die Geschichte von Philipp, der in Ostberlin als Lehrer arbeitet und eine Beziehung mit seiner Kollegin Tanja eingeht. Als er seine Jugendliebe Jakob wiedertrifft, wird ihm bewusst, dass er seine Homosexualität jahrelang verdrängt hat.
Eines Abends lernt er Matthias kennen – die beiden verlieben sich ineinander. Eigent­lich möchte Philipp eine Beziehung mit Matthias eingehen. Er gerät jedoch in Zweifel, da Tanja ihr gemeinsames Kind erwartet; außerdem fürchtet er die Abwertung einer schwulen Partnerschaft in seinem Umfeld. Philipp setzt sich mit seinen Gefühlen aus­einander und steht schließlich dazu, schwul zu sein.

Lizenz: Progress Filmverleih GmbH

Der Spielfilm Coming Out, 1989, 109 Min.; Regisseur: Heiner Carow; Drehbuch: Wolfram Witt



Viel zu viel verschwiegen

Dokumentarfilm, Christina Karstädt und Anette von Zitzewitz, 1992
24 Minuten

Der Dokumentarfilm Viel zu viel verschwiegen von Christina Karstädt und Anette von Zitzewitz aus dem Jahr 1992 widmet sich den Lebensgeschichten lesbischer Frauen in der DDR. Vierzehn Frauen unterschiedlicher Generationen, Hintergründe und Regionen sprechen über ihre Beziehungen zu Frauen, über Ausgrenzungs­erfahrungen und ihre Erlebnisse mit der Staatssicherheit. Ebenso lassen sie die Zuschauer_innen teilhaben an ihren Strategien, Widerstand zu leisten, mit Dis­kriminierungen umzugehen und sich politisch Gehör zu verschaffen.
Interviews, Fotos und die Begehung historischer Orte lassen die Geschichte lesbischen Lebens und Liebens in der DDR ab den 1940er Jahren lebendig werden.

Lizenz: private Leihgabe



Unter Männern – Schwul in der DDR

Dokumentarfilm, Ringo Rösener und Markus Stein, 2012
15 Minuten

Wie lebte und liebte es sich als Schwuler in der DDR? In dem Dokumentarfilm Unter Männern – Schwul in der DDR interviewt der Regisseur Ringo Rösener, 1983 in Anklam geboren und selbst schwul, sechs Männer unterschiedlichen Alters: Helwin Leuschner, Frank Schäfer, Eduard Stapel, Christian Schulz, Jürgen Wittdorf und John Zinner lassen uns an ihrer persönlichen schwulen DDR-Geschichte teilhaben.
In dem vermeintlich uniformen Staat (er)lebten und gestalteten die sechs Pro­tagonisten ihr schwules Leben sehr unterschiedlich. Sie sprechen von Angst und Selbstverleugnung, von Mut, Widerstand und Coming-out; sie erzählen von Kontak­ten im Geheimen und schwuler Politik unter dem Dach der Kirche, von Verhaftungen und der Konfrontation mit der Staatssicherheit; sie sprechen über Liebesbeziehun­gen, künstlerische Freiräume, Fluchtgedanken und ungewohnte Freiheiten …

Lizenz: Hoferichter & Jacobs GmbH

Der Dokumentarfilm Unter Männern – Schwul in der DDR, 2012, 91 Minuten; Regie: Ringo Rösener und Markus Stein; Drehbuch: Ringo Rösener



Sarah, lesbisch aus Stralsund

Dokumentarfilm, queerblick e. V., 2014
5 Minuten

Im Jahr 2014 fahren vier junge Nachwuchsreporter_innen einen Monat lang quer durch Deutschland: Filmisch porträtieren sie in jedem Bundesland eine schwule, lesbische oder trans* Person. Verantwortlich für das Projekt queer durch Deutschland ist der Verein queerblick. 2009 gegründet, ermutigt der medienpädagogische Verein junge LSBTI*, sich zu vernetzen, sich medial auszudrücken – und so Vorbild für andere zu sein.
In Mecklenburg-Vorpommern begegnen wir Sarah. Aufgewachsen ist die 19-­Jährige in Stralsund. Eigentlich zog es sie Richtung Großstadt. Zum Zeitpunkt des Filmporträts lebt sie nun stattdessen in einem kleinen Dorf an der Ostsee, um ihre Ausbildung zur Tierarzthelferin zu machen. Am Strand mit ihren beiden Hunden erzählt Sarah von ihrem lesbischen Coming-out, von ihrem Berufswunsch, von ihrer Partnerinnenschaft und ihrem Leben als junge Lesbe in Wittenbeck.

Lizenz: queerblick e.V.

queerblick.tv in Stralsund, Dokumentarischer Videoclip, 2014, 6 Minuten; queerblick e. V.,
https://www.youtube.com/user/queerblickTV



Warum wir so gefährlich waren. Geschichten eines inoffiziellen Gedenkens

Dokumentarfilm, Songül Biti ̧s, Samira Mahmud, Colin Müller, Marie Schlingmann, 2006
10 Minuten

In dem fünfzigminütigen Film erzählen Bettina Dziggel, Marinka Körzendörfer, Ma­rina Krug und Susanne Lück von den zahlreichen Versuchen der Ostberliner Gruppe Lesben in der Kirche (LiK) (1982–1986), an Gedenkveranstaltungen im ehemali­gen Frauenkonzentrationslager in Ravensbrück teilzunehmen. Die Lesbengruppe widmete sich in den 1980er Jahren dem Anliegen, das Schicksal von im National­sozialismus verfolgten lesbischen Frauen sichtbar zu machen und ihrer öffentlich zu gedenken. Der DDR-Staat reagierte mit Repression.
Die vier Protagonistinnen berichten von den Ereignissen rund um die Gedenk­veranstaltungen und kommen auf die damaligen Ziele und politischen Motivationen der elfköpfigen Gruppe zu sprechen. Wie es war, in der DDR als Lesbe aufzuwachsen, und wie sie gegen Diskriminierung und Unsichtbarmachung vorgingen – auch davon wissen sie zu berichten.

Lizenz: private Leihgabe

warum wir so gefährlich waren. geschichten eines inoffiziellen gedenkens – Interviewfilm, 2006, 50 Minuten; Regie: Songül Bitiş, Samira Mahmud,
Colin Müller und Marie Schlingmann



Selbstversuch

Spielfilm, Peter Vogel, 1990
19 Minuten

Im Rahmen eines medizinisch-gentechnischen Experiments verwandelt sich eine Wissenschaftlerin in einen Mann. – Der DEFA-Film Selbstversuch wird im Januar 1990 ausgestrahlt, Auftraggeber war das Fernsehen der DDR. Der Film basiert auf einer gleichnamigen Erzählung von Christa Wolf, die sich durchaus als kritische Anmerkung zur Geschlechterpolitik der DDR verstehen lässt. An dem Filmprojekt wurde Wolf allerdings nicht beteiligt. Während ihres Studiums war der Hauptprotagonistin des Films, Johanna, ein Gerücht zu Ohren gekommen: dass ihr Professor nach einer weiblichen Versuchs­person Ausschau halte, die sich in einen Mann verwandeln lassen würde. 1972 bewirbt sich die junge, aufstrebende Wissenschaftlerin auf eine Stelle beim biologischen Institut des besagten Professors. Sie wird eingestellt – und bereitet das Experiment gemeinsam mit ihrem Team vor. Der Selbstversuch glückt, sie* erhält neue Papiere auf den Namen ‚Johann‘. Ein unerwartetes Erlebnis und Selbstzweifel führen jedoch dazu, dass Johanna/Johann das Experiment eigenmächtig zu beenden beschließt.

Lizenz: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA), Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs GmbH

Selbstversuch – Spielfilm über einen Geschlechtswechsel, 1990, 105 Min.; Regie: Peter Vogel; Drehbuch: Günter Haubold und Peter Vogel; nach einer Erzählung von Christa Wolf



Fernsehbeitrag zu Homosexualität in der Sendung Visite

vom 5. September 1987
11 Minuten

Regelmäßig informiert die Fernsehsendung Visite die Bürger_innen der DDR über unterschiedliche Themen aus Wissenschaft und Gesellschaft. Mit dem Leitspruch „erkennen, handeln, vorbeugen“ gilt sie als Ratgeberin für Gesundheit und allerlei menschliche Problemlagen.
Am 5. September 1987 strahlt Visite zum ersten Mal in der Geschichte der DDR einen (gut zehnminütigen) Fernsehbeitrag zum Thema Homosexualität aus. Auf­hänger ist der Brief eines heterosexuellen Elternpaares. Ihr 17-jähriger Sohn hat ihnen von seiner schwulen Beziehung und seiner Homosexualität erzählt. Die Eltern sind besorgt, möchten ihren Sohn aber unterstützen. Deshalb wenden sie sich ratsuchend an das Visite-Team.
Im Zuge der Visite-Sendung widerlegt ein Wissenschaftler Vorurteile gegenüber Lesben und Schwulen; eine Mitarbeiterin aus einer Beratungsstelle spricht über die gesellschaftliche Verantwortung, Lesben und Schwule als gleichberechtigte Bürger_innen zu achten und zu würdigen. Im Gespräch berichten zwei gleichgeschlechtlich Lebende und Liebende von ihren Erfahrungen. Sie sprechen beispielsweise über ihr Coming-out, über homosexuelle Netzwerke, über wachsendes Selbstbewusstsein und den Umgang mit Diskriminierung: „[E]twa zu diesem Zeitpunkt lernte ich Freunde kennen, die nun gleiche Interes­sen hatten, die mir das Bekenntnis in der Öffentlichkeit dann mit Diskussionen, mit Austausch und Erfahrungen doch leicht gemacht haben.“
„Ich sehe jetzt keinen Grund mehr, mich zu verstecken, ich fühle mich gut.“

Lizenz: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

Der erste DDR-Fernsehbeitrag zu Homosexualität, Visite, 5. September 1987