Dr. Franziska Tiburtius

Dr. Franziska Tiburtius

Dr. Franziska Tiburtius gilt als erste deutsche promovierte Ärztin. Geboren 1843 auf Gut Bisdamitz auf Rügen, arbeitete sie nach ihrem Schulabschluss zunächst als Lehrerin auf Rügen und später in England. Da in Deutschland Frauen das Studium verboten war, studierte sie ab 1871 in Zürich Medizin. Dort war Franziska Tiburtius Teil eines Kreises von Freund_innen und Kolleg_innen, von denen viele der Frauenbewegung angehörten und einige offen gleichgeschlechtlich lebten.

Franziska Tiburtius gilt als erste deutsche promovierte Ärztin. Geboren 1843 auf Gut Bisdamitz auf Rügen, arbeitete sie nach ihrem Schulabschluss zunächst als Lehrerin auf Rügen und später in England.

Da in Deutschland Frauen das Studium verboten war, studierte sie ab 1871 in Zürich Medizin – vermutlich auf Ermutigung ihrer Schwägerin Henriette Hirschfeld-Tiburtius hin, die selbst in den USA Medizin studiert hatte. In Zürich war Franziska Tiburtius Teil eines Kreises von Freund_innen und Kolleg_innen, von denen viele der Frauenbewegung angehörten und einige offen gleichgeschlechtlich lebten. Aimée Ducs Roman „Sind es Frauen?“ bezieht sich vermutlich auf ihre Erfahrungen innerhalb dieses Freundeskreises.

In Zürich lernte Franziska Tiburtius auch ihre Gefährtin Emilie Lehmhus kennen, mit der sie ein paar Jahre nach ihrer Promotion zur Ärztin 1876 die erste, von Frauen geleitete Arztpraxis in Berlin eröffnete.

Tiburtius und Lehmhus waren in den Jahren ihrer Arbeit vielen Anfeindungen ausgesetzt und konnten zwar als Ärztinnen praktizieren, mussten sich jedoch als „Dr. med in Zürich“ ausweisen – somit hatten sie, wenngleich sie Allgemeinmedizinerinnen waren, in Deutschland formal nur den Status als Heilpraktikerinnen. Dennoch soll die Praxis sehr erfolgreich gewesen sein (Tiburtius spricht in ihren Memoiren von mehreren Tausend Patientinnen pro Jahr), vermutlich auch wegen des hohen Bedarfs von Frauen, von Frauen behandelt zu werden.

1908 eröffnete Franziska Tiburtius mit Agnes Hacker, einer ehemaligen Kommilitonin aus Zürich, die „Chirurgische Klinik weiblicher Ärzte“, in der in erster Linie mittellose Frauen versorgt wurden – diese bekamen hier kostenlose Medikamente.

Neben ihrer beruflichen Tätigkeit engagierte sich Tiburtius in der Frauenbewegung, insbesondere für die Zulassung von Frauen zum Studium.

1908, das Jahr, in dem das Studierverbot für Frauen aufgehoben wurde, ging Tiburtius in Pension. 6 Jahre später wurden die ersten Frauen zur Approbation zugelassen.

Nach ihrer Pensionierung unternahm Franziska Tiburtius zahlreiche Reisen nach Nordamerika, Nordafrika und in verschiedene Länder Europas, außerdem schrieb sie ihre Autobiografie (Erinnerungen einer Achtzigjährigen). Sie starb 1927 in Berlin.